Geschichte

Geschichte der Pfarrei

Die Kirchengemeinde Batten als Mitglied der Fuldaer Bistumsfamilie

von Pfr. G. Wondrak



Teil I: Von den Anfängen bis zum Kirchbau


Die Geschichte der Pfarrei Batten beginnt eigentlich erst mit dem Jahr ihrer Gründung, also 1727. Doch schon die erste urkundliche Erwähnung Battens hat einen kirchlichen Bezug, denn immerhin findet sie sich im Zusammenhang einer Schenkung an das Kloster Fulda im Jahr 1059 durch Kaiser Heinrich IV. Dieser schenkte den Mönchen die sogen. "Wildbannrechte" für ein genau umschriebenes Gebiet, in dem sie nun nach belieben jagen, fischen und Bäume fällen durften. Darin taucht auch unter vielen anderen der Ortsname "Batten" auf; spätestens ab diesem Zeitpunkt ist die Existenz des Dorfes also nachgewiesen.


Eine weitere auf das Jahr 1058 geschätzte Schenkungsurkunde der Gräfin Alberada von Schweinfurt an das Kloster Fulda, die ebenfalls diesen Ortsnamen enthält, gilt dagegen heute als zweifelhaft.


Wie dem auch sei: Fortan ist Batten mit dem Geschick des Klosters und späteren Bistums Fulda eng verbunden und namentlich die kirchliche Entwicklung kann nicht losgelöst von derjenigen Fuldas betrachtet werden.


Zum Zeitpunkt der Ersterwähnung vor 950 Jahren dürfte Batten eng mit Hilders verbunden gewesen sein, das in einer als "Untergau Tullifeld" bezeichneten Gegend lag, die bereits 779 zum Gebiet des Hochstiftes Fulda gehörte. Hilders entstand vermutlich zur Zeit des Abtes Huoggi (891-915) durch einen gewissen Hiltrich, aus dessen Namen sich der Ortsname herleiten lässt. Die Erhebung zur Pfarrei geschah zu einem viel späteren, nicht genau bekannten Zeitpunkt durch einen Würzburger Bischof. (Erstmals ist von einem Pfarrer in Hilders am 20. Juni 1255 die Rede.)

Bonifatius hatte im Jahr 744 das Kloster Fulda gegründet und seinen Schüler Sturmius zum ersten Abt einsetzt. Die Waldeinsamkeit Buchoniens, in der nach den frühen Quellen das Kloster lag, beruht wohl mehr auf dem Wunschdenken der ersten fuldischen Mönche, denn es gibt durchaus gesicherte Erkenntnisse über noch ältere Siedlungen in jener Gegend.


Spätestens im Jahrhundert darauf dürfte es auch im Mündungsbereich der Brand in die Ulster, also im heutigen Findlos und Batten, dörfliches Leben gegeben haben.

Das Kloster Fulda erlebte damals eine glanzvolle Zeit unter Abt Rabanus Maurus (822 - 842). Durch die umfangreiche Bibliothek, zu der schon Bonifatius den Grundstein gelegt hatte, und durch die herausragende Bedeutung der Schule des Klosters, wurde die Abtei zum bedeutendsten Vermittler der abendländischen Kultur weit und breit.


Ein vorerst letzter Höhepunkt für das Kloster war der Besuch von Papst Benedikt VIII. (1012 - 1024) im Mai 1020. Der Papst bestätigte zum wiederholten Mal feierlich die Privilegien von 751, die Bonifatius von Papst Zacharias (741- 752) für das Kloster Fulda erwirkt hatte, wonach es direkt dem Hl. Stuhl unterstellt und damit dem Zugriff anderer, geistlicher oder weltlicher Herrscher entzogen war. Diese "Exemtion" hatte entscheidenden Einfluß auf die Entwicklung des Klosters zum Hochstift und schließlich zum Bistum.


In den folgenden Jahren setzte ein Niedergang des klösterlichen Lebens ein, auf dessen Tiefpunkt es sogar zu einer Revolte der Mönche gegen den Fürstabt Widerat von Eppenstein (1060 - 1075) kam. Damit befinden wir uns wieder in der Zeit der Ersterwähnung Battens. Der desolaten Lage der Abtei ist es vielleicht auch zuzuschreiben, dass die oben erwähnte Gräfin Alberada, die zu jener Zeit durch großzügige Schenkungen von sich reden machte, ihre Generosität dem Kloster Fulda entzog und 1071 das Kloster Banz gründete, das sie mit Mönchen aus Fulda besetzt haben soll. (Die Alberada-Schenkungen stehen allerdings auf etwas wackeligen Füßen; sie tauchen im sogen. Eberhardi-Codex aus dem 12. Jhdt. auf, der es mit Jahresangaben nicht so genau nimmt.)

Die Entwicklung in den folgenden Jahrhunderten führte schließlich dazu, dass im Jahre 1342 Batten zusammen mit Hilders dem Hochstift Würzburg unterstellt wurde. Dies sollte zumindest kirchlich-jurisdiktionell rund 380 Jahre so bleiben, wenn auch vieles dafür spricht, dass die geistliche Orientierung am Kloster Fulda weiterhin erhalten blieb.


Damals, im Mittelalter, war das Leben, vor allem das Überleben, ohnehin nicht einfach. Waren es im 13. u. 14. Jhdt. Raubritterbanden, die plündernd und mordend umherzogen, so kamen im 14. u. 15. Jhdt. Seuchen wie die Pest dazu, die hier in der Rhön wie überall in Europa wüteten. Um 1500 herum scheint Batten, wie andere Orte der Umgebung auch, völlig verlassen gewesen zu sein.


Die Siedler, die sich spätestens ein Jahrzehnt danach in Batten niederließen, gerieten bald in den Strudel der Reformation (1517 hatte Martin Luther seine Thesen veröffentlicht) und des Bauernkriegs (1524/25), durch den sich die Unzufriedenheit über vielfältige Mißstände entlud und in dessen Verlauf auch die Auersburg bei Hilders geschleift wurde. Das Kloster Fulda konnte nur mit knapper Not durch das Eingreifen der Truppen des Landgrafen vor der Erstürmung gerettet werden.


Um 1580 scheint sich auch Hilders den Reformatoren gebeugt zu haben, worauf

Batten den geschuldeten Unterhalt verweigerte und von Würzburg ebenfalls jede Unterstützung eingestellt wurde. Dank des tatkräftigen Einsatzes des Würzburger Bischofs Julius Echter von Mespelbrunn (1573-1617) konnte es für das "alte Bekenntnis" zurückgewonnen werden; erster kath. Pfarrer nach dem Neubeginn in Hilders wurde 1590 Otto Eck.


Im Kloster Fulda, ebenfalls gebeutelt durch Bauernkrieg und Reformation, gelang der Aufstieg nur mühsam und schleppend. Der damalige Abt Balthasar von Dernbach (1570-1576, 1602-1608) führte unter großen Schwierigkeiten aber letztlich mit Erfolg die vom Trienter Konzil (1545-1563) beschlossenen Reformen durch. Er rief dazu den 1534 gegründeten Jesuitenorden zu Hilfe. Die ersten Patres kamen 1571 nach Fulda. Einer der größten Gelehrten dieses Ordens zur damaligen Zeit wurde der aus Geisa stammende Pater Athanasius Kircher (1602 - 1680).


Die Bemühung um Aufschwung wurde jäh unterbrochen, als 1618 der Dreißigjährige Krieg ausbrach und sich die Truppen der katholischen und protestantischen Fürsten gegenseitig aufrieben. 1631 siegte der schwedische König Gustav Adolf über das habsburgisch-kaiserliche Heer bei Breitenfeld.


Darauf soll er das Hochstift dem Landgrafen Wilhelm von Hessen-Kassel übereignet haben. Fulda wurde von Tilly und seinem "schwarzen Haufen" besetzt. Die Mönche mußten fliehen. Der Fürstabt von Fulda, Johann Bernhard Schenk zu Schweinsberg (1623-1632), fiel im Jahr darauf in der Schlacht bei Lützen, in der auch Gustav Adolf den Tod fand.


Selbst das Ulstertal wurde Kriegsschauplatz. Noch kurz vor Ende des Krieges (1647) zog der schwedische Feldmarschall Löwenstein aus Richtung Geisa heran und von den Battenern heißt es, dass sie vor ihm bis auf den Ehrenberg flüchteten. Gemäß einer Bemerkung in der Chronik sollen anschließend wieder Wölfe in der Rhön gesichtet worden sein.


Zehn Jahre zuvor wütete eine vermutlich von den Landsknechten eingeschleppte fürchterliche Pest und raffte im Sommer 1635 einen Großteil der Einwohner hinweg, wie die Sterberegister aus diesem Jahr belegen. Heute noch zeugen "verlobte Tage" davon, wie sich die Menschen jener Zeit hilfesuchend an Gott wandten. Dazu gehören auch die "Brezeltage", die auf den 12. März, den früheren Festtag Gregors des Großen (590-604) gelegt wurden, den man sich zum Vorbild genommen hatte, weil er seinerzeit in Rom erfolgreich ähnliche Mittel gegen die Abwehr von Seuchen eingesetzt hatte. Diese Brezeltage sind in früheren Jahren auch für Batten und Thaiden bezeugt, werden heute aber nur noch in Seiferts, Hilders und Wickers begangen. Im Mittelpunkt stand dabei das Rosenkranzgebet in der Kirche, manchmal verbunden mit einer Prozession. Anschließend erhielten die Kinder eine Brezel, für die der Lehrer aufkommen mußte, dem im Gegenzug die Nutzung einer Gemeindewiese zufiel.


Nach dem Ende des Krieges ging ein Aufatmen durch das gesamte christliche Abendland und steigerte sich bis zur üppigen Prachtentfaltung des Barock. Endlich gelangte auch Fulda zu neuer Blüte, der zweiten nach derjenigen der Karolingerzeit. Die Barockzeit hat Fulda geformt und geprägt, was bis heute nicht zu übersehen ist.


Es war die Ära des Fürstabtes Adalbert von Schleifras (1700 - 1714). Er ließ zunächst die neue Stiftskirche errichten durch seinen Stiftsbaumeister Johann Dientzenhofer, der sich dabei an Vorbildern aus Rom und Venedig orientierte. Nach achtjähriger Bauzeit konnte er sie selbst am 14. August 1712 weihen, doch benötigte er dazu die besondere Vollmacht des Papstes, da er keine Bischofsweihe besaß. Später baute er noch das heutige Stadtschloß.


Sein Nachfolger Konstantin von Buttlar (1714-1726) ließ dann den Westflügel des Schlosses und die Orangerie errichten und erwies sich auch außerhalb Fuldas als nicht minder großer Baumeister.


Obgleich von Würzburg die Eigenständigkeit des Fuldaer Abtes mehrfach bestätigt wurde und dieser weitestgehend die Vollmachten eines Bischofs ausübte, ging es für Fulda darum, gänzlich unabhängig zu werden, was sich nur durch einen eigenen Bischofsstuhl verwirklichen ließ.

Das Ulstertal gehörte nach wie vor formell zum Hochstift Würzburg, wenn man sich auch weiterhin am Kloster Fulda orientierte. In einem Vertrag aus dem Jahr 1681 werden von Würzburg die Hoheitsrechte Fuldas ausdrücklich anerkannt.


Diese "Doppelzugehörigkeit", aus der nicht selten auch Spannungen erwuchsen, fand in dem für Batten entscheidenden Jahr 1722 ein Ende: Infolge eines Abkommens ("Karlstädter Vertrag") zwischen dem Würzburger Bischof Johann Philipp Franz von Schönborn (1719 - 1724) und dem Fuldaer Fürstabt Konstantin von Buttlar (1714 - 1726) wurde Batten zusammen mit Findlos, Thaiden, Seiferts und Brand wieder dem Hochstift Fulda unterstellt, während Hilders durchgehend bis 1871 würzburgisch blieb.


Da das oben genannten Abkommen für Fulda noch nicht weit genug ging und obendrein mit Rechtsunsicherheiten behaftet war, wurden die Verhandlungen fortgesetzt, auch Rom wurde einbezogen, bis es 1751 zum "Hammelburger Vertrag" kam; damit rückte die Erhebung Fuldas zum eigenständigen Bistum greifbar nahe.


Fürstabt Adolf von Dalberg (1726-1737) errichtete 1734 die Universität und später das Hospital "Zum Heiligen Geist". Unter ihm bekam Fulda zum ersten Mal einen eigenen Weihbischof, Propst Stephan von Clodt, der seit 1696 Mönch im Kloster Fulda war, und der auch als Begründer der heute noch bestehenden Wallfahrt nach Walldürn gilt.


Zur selben Zeit, man schrieb das Jahr 1727, errichtete Adolf von Dalberg Batten als eigenständige Pfarrei mit Zugehörigkeit zum Dekanat Margretenhaun. Damals kamen auch Thaiden, Seiferts, Brand und ein Teil von Dietges als Filialen zur neu gegründeten Pfarrei. Brand und Dietges wurden 1822 wieder abgetrennt. Die Pfarrbücher, die im Archiv der Pfarrei Batten aufbewahrt werden, beginnen mit dem Jahr 1726. Als erster Pfarrer wurde Johann Martin Schmelz (1726 - 1729) aus Apfelbach bestellt, der nach seinem Tod am 2. Febr. 1729 in der Kapelle in Seiferts beigesetzt wurde.


Als Stephan von Clodt kurz nach seiner Bestellung zum Weihbischof unerwartet starb, erreichte es Adolf von Dalberg, dass Stiftsdechant Amand von Buseck als nachfolgender Weihbischof eingesetzt wurde. Als zehn Jahre darauf auch Adolf von Dalberg in die Ewigkeit ging, wählten die Mönche 1737 Amand von Buseck als seinen Nachfolger zum Fürstabt; damit war er der erste Abt mit Bischofsweihe.


Im gleichen Jahr tat sich etwas in Batten. In der Chronik heißt es: "Den ersten Stein zur Kirche hat gelegt Doctor Hohmann, Geistl. Rat, Stadtpfarrer & Regens d. Fürstl. Seminars Anno 1737 am 6. Juni". Damit wollen wir ein neues Kapitel beginnen.

Teil II: Die Pfarrkirche zu Batten


"Batten hat ein Kirch" - diese Bemerkung vom 12. Jan. 1602 aus einem Bericht des Hilderser Pfarrarchivs bezeugt schon eine frühere Kirche in Batten. 1618 heißt es etwas genauer: "Batten ist ein fuldisch Dörflein, von 21 Mann besitzt; hat ein klein Capellen von Holtzwerk gemacht und ein Glöcklein darinnen."


Wo diese Kirche gestanden hat und wie sie aussah wissen wir nicht mehr. Es durfte darin keine Heilige Messe gefeiert werden weil sie nicht konsekriert war, sondern diente lediglich für Andachten und Christenlehre.


In Zuge der Verhandlungen zur Unabhängigkeit des Klosters Fulda von Würzburg konnte der Fuldaer Fürstabt Konstantin von Buttlar (1714-1726) in einem Vertrag von 1722 (Kalstädter Vertrag) erwirken, dass Batten mit Thaiden und Seiferts von Hilders abgetrennt und direkt Fulda unterstellt wurde. Sein Nachfolger Adolf von Dalberg (1726-1737) setzte für Batten einen eigenen Pfarrer ein und errichtete 1727 eine eigenständige Pfarrei; Thaiden und Seiferts wurden Filialen.

Vielleicht um seinen neuen Untertanen etwas Gutes zu tun oder nur, um seinen Machtanspruch gegenüber Würzburg zu untermauern, beschloss Adolf von Dalberg in Batten eine neue, große Pfarrkirche von dem Hofbaumeister Andrea Gallasini bauen zu lassen.


Gallasinis Geburtsjahr ist unbekannt, er stammte jedoch aus dem Herzogtum Mantua (Italien) und kam nach verschiedenen anderen Stationen 1720 als Bauinspektor nach Fulda. Er schuf zahlreiche Barockbauten in Fulda, im Hünfelder und im Geisaer Land. Er war von 1760 bis zu seinem Tod 1766 Baudirektor des Fürsten zu Hohenlohe Bartenstein. In dieser Funktion baute er das Schloss Bartenstein und die dazugehörige Stadtanlage zur barocken Kleinresidenz um. Er starb in Bartenstein.


Die Mähr, wonach ursprünglich beabsichtigt war, die Kirche in Thaiden zu bauen, entspringt vermutlich späterer Legendbildung. Dort sei schon das Baumaterial angeliefert worden und weil sich die Thaidener geweigert hätten, mit Hand an zu legen, die Battener dies aber anboten, sei kurzfristig der Standort nach Batten verlegt worden. Eine etwas andere Lesart besagt, die Battener hätten bei Nacht und Nebel das Baumaterial von Thaiden nach Batten geschafft, weil sie sich durch den Zustrom auswärtiger Gottesdienstbesucher Vorteile erhofft hätten.


Am 6. Juni 1737 wurde mit dem Bau begonnen. Im gleichen Jahr starb Adolf von Dalberg, doch sein Nachfolger als Fürstabt, Amand von Buseck (1737-1756), der seinem Vorgänger schon als Weihbischof gedient hatte, setzte das Vorhaben in die Tat um und ließ den Bau außen wie innen bis heute gut sichtbar mit seinem Wappen zieren.


Amand von Buseck entstammt einem alten hessischen Adelsgeschlecht. Bei seiner Geburt 1685 in Eppelborn an der Saar erhielt er den Namen Friedrich Franz Ludwig und wurde nach dem Tod seiner Mutter 1693 der Erziehung seines Großonkels Bonifatius von Buseck in Fulda anvertraut. Er besuchte zunächst das Jesuitenkolleg, kam dann aber als Page an den Hof des neugewählten Fürstabtes Adalbert von Schleifras. Bei seinem Eintritt in die Benediktinerabtei 1705 erhielt er den Ordensnamen Amand.


Der gevierte Schild seines Wappens zeigt auf zwei Feldern das Fuldaer Stiftskreuz und auf den anderen beiden einen gehörnten Widderkopf mit heraushängender Zunge aus dem Familienwappen derer von Buseck. In der Battener Kirche finden wir es dreimal: außen an der Fassade in Sandstein, über dem Chorbogen geschnitzt und bei der Signatur des Altarblattes, jeweils bekrönt mit einem Fürstenhut und hinterlegt mit Richtschwert und Krummstab, den Zeichen weltlicher und kirchlicher Macht.


Die feierliche Konsekration der Battener Kirche erfolgte am 26. Juni 1740 und zwar zu Ehren der Unbefleckten Empfängnis der seligen Jungfrau Maria. Dieses Glaubensgeheimnis, erst 1854 durch Papst Pius IX. dogmatisiert, gehörte schon seit Jahrhunderten zum festen Glaubensbestand der Kirche. Es besagt, dass Maria bei ihrer Empfängnis im Leib ihrer Eltern durch ein besonderes Gnadenprivileg Gottes als einziger Mensch von der Erbsünde ausgenommen wurde. Die Erlösung, die ihr Sohn erst erwirkt hat, ist an ihr schon im voraus wirksam geworden. Eine überzeugende Begründung dafür lieferte der scholastische Theologe Johannes Duns Scotus (+ 1308).


Die Pfarrkirche von Batten trägt also eindeutig den Titel "Von der Unbefleckten Empfängnis"! Die drei Altäre der Kirche wurden jeweils zu Ehren dreier Patrone geweiht. Der Hochaltar erhielt die Weihe zu Ehren der Unbefleckten Empfängnis der Gottesmutter, des hl. Johannes des Täufers und des hl. Johannes Nepomuk. Folgerichtig zeigt das Altarbild die Gottesmutter im Augenblick der Verkündigung, während Johannes der Täufer und Johannes Nepomuk beidseitig davon als Holzschnitz-Statuen dargestellt sind. Um den Kreuzstab des Täufers windet sich ein Spruchband mit der Aufschrift "Ecce Agnus Dei" - "Seht, das Lamm Gottes!", mit diesem Ausruf hatte er einst am Jordan auf Jesus hingewiesen (Joh 1, 36), deshalb auch die Darstellung des Lammes zu seinen Füßen. Johannes Nepomuk, der mit Kreuz und Märtyrer-Palmzweig dargestellt ist, gilt als Märtyrer des Beichtgeheimnisses, wegen dem er am 16. Mai 1393 in Prag von der Moldaubrücke gestürzt wurde. So wurde er zum "Brückenheiligen".


Das Kirchweihfest, der 26. Juni, folgt nur zwei Tage auf das Fest des zweiten Patrons, des hl. Johannes des Täufers, fällt also fast mit diesem zusammen. So ist es zu erklären, dass fälschlich Johannes als erster Patron angesehen wurde. (In einem Ablaßbrief von 1754 wird als Titel der Kirche noch die "Unbefleckte Empfängnis" genannt, während in einem weiteren aus dem Jahr 1775 Johannes d. Täufer angegeben ist - beide im Archiv der Kirchengemeinde.)


Eine Feier des eigentlichen Titularfestes, des 8. Dezember, dem Fest der Unbefleckten Empfänigs Mariens, ist nicht nachweisbar. Dagegen wurde das Fest der Geburt Mariens, neun Monate nach dem Fest ihrer Empfängnis am 8. September gefeiert, nachweislich schon sehr früh mit aller Feierlichkeit von der Gemeinde begangen. Bis vor einer Generation galt es noch als örtlicher Feiertag, an dem ein Markttreiben mit zahlreichen auswärtigen Gästen abgehalten wurde. So verbindet also das Titularfest von der Unbefleckten Empfängnis Mariens und das Patrozinium von Maria Geburt der natürliche Zusammenhang von Empfängnis und Geburt.


Der rechte Seitenaltar empfing seine Weihe zu Ehren des hl. Bonifatius und der beiden Namenspatrone der fürstäbtlichen Stifter Amandus und Adolphus und der linke zu Ehren des hl. Benedikts, des hl. Sturmius und des hl. Sola. Bonifatius, selbst Benediktiner, hatte 744 Fulda als Benediktinerkloster gegründet, folglich gehörten auch alle Äbte, die wegen ihrer fürstlichen Abstammung Fürstäbte waren, diesem Orden an, bis hin zu den frühen Bischöfen Fuldas, deren erster Amand von Buseck werden sollte. Bonifatius hatte Sturmius als ersten Abt des Klosters eingesetzt und den Angelsachsen Sola nach Germanien zu Hilfe gerufen. Dadurch erklären sich die Patronate dieser Altäre, die Bindung an Fulda ist unverkennbar.


Bald darauf wurde die Kirche so ausgestattet, wie sie heute fast unverändert zu sehen ist. Die Altäre mit ihren, in schlichtem "Bauernbarock" gehaltenen Figuren und den Rokoko-Schnitzereien sind in der Hauptsache ein Werk des einheimischen Bildschnitzers Nikolaus Zentgraf.

Besonders prachtvoll erscheint die Statue "Maria vom Sieg" im linken Seitenaltar. Auffallend sind Stirnreif, Hermelinkragen, Goldpanzer und -schließe mit Auge Gottes. In der rechten Hand ein Szepter, hält sie mit dem linken Arm das Jesuskind, das seine aus einem Doppelkreuzstab gebildete Lanze der sich auf der Weltkugel windenden Schlange in den Rachen stößt, während Maria noch zusätzlich mit ihrem Fuß den Leib der Schlange niedertritt. Maria wie das Kind tragen eine prächtige Krone. Ein Marien-Monogramm bildet das Zentrum der Rokokoschnitzerei oberhalb des Altars (Altarauszug).


Die Darstellung nimmt Bezug auf das 12. Kapitel der Offenbarung des Johannes, die Vision einer "Frau, mit der Sonne bekleidet, der Mond unter ihren Füßen und ein Kranz von zwölf Sternen auf ihrem Haupt" (Offb 12,1) und spielt außerdem auf das sogen. "Protoevangelium" im Alten Testament an, wo es heißt, dass einst der Nachwuchs einer Frau der Schlange den Kopf zertreten werde (Gen 3,15). Beide Stellen werden von der kirchlichen Tradition im Zusammenhang gesehen und auf die Gottesmutter Maria gedeutet.


Die Figur links davon zeigt den hl. Nikolaus v. Myra als jugendlichen Heiligen mit Stab und Mitra, Evangelienbuch und Brot, mit der anderen Hand einem Kind zu seinen Füßen ein weiteres Brot reichend. Rechts ist der hl. Wendelin als bäuerlicher Heiliger mit Hirtenstab und Vieh dargestellt.

Der rechte Seitenaltar hat einen eigenen Tabernakel und zeigt in der Mitte den hl. Josef mit dem Jesuskind und einer Lilie, die als Blütenstab ausgeführt ist; dies spielt auf die Josefslegende an. Als Besonderheit krönt den Blütenstab die Taube als Heilig-Geist -Symbol, die auch noch einmal im Rokoko-Schnitzwerk des Altarauszugs mit weit ausgebreiteten Flügeln schwebt. Die Lilie ist Zeichen der Reinheit und Jungfräulichkeit.


Die linke Assistenzfigur zeigt den hl. Bonifatius, ebenfalls mit Bischofsstab und Mitra, der als Gründer des Klosters und späterer Bistumspatron nicht fehlen darf. Das von einem Schwert durchbohrte Buch weist auf sein Martyrium hin. Die rechte Assistenzfigur ist der linken angeglichen, Stab und Mitra weisen sie ebenfalls als Bischof aus, der als hl. Valentin gedeutet wird. Die Kirche ehrt unter diesem Namen gleich zwei Heilige: Am 14. Februar den in der Rhön häufig verehrten Valentin, Bischof von Terni, Märtyrer in Rom um 273, und am 7. Januar Valentin, Bischof von Rätien, gest. 7. 1. 475, dessen Gebeine heute im Passauer Stephansdom beigesetzt sind.


Drei korinthische Säulen mit reich verzierten Kapitellen umgeben im Zentrum das kunsthistorisch bedeutende Altarblatt des Fuldaer Hofmalers Johann Andreas Herrlein (1723-1796), das neben seiner Signatur die Jahreszahl 1756 und das Wappen des Stifters Amand von Buseck trägt.

Herrleins Vater Johann, zunächst Bäcker, vererbte seine Leidenschaft für das Malen an seine drei Söhne, die in Münnerstadt das Licht der Welt erblickten. Der älteste, Johann Peter, malte in der südlichen Rhön und im Grabfeld und der jüngste, Andreas, ging nach Österreich. Der mittlere, mit dem wir es hier zu tun haben, ging etwa 1746 nach Fulda, lernte bei dem Hofmaler Emanuel Wohlhaupter, heiratete dessen Tochter und wurde 1756 sein Nachfolger als "fürstlich-fuldischer Hofmaler". In fast allen wichtigen Gebäuden Fuldas finden sich Werke von ihm. Johann Peter und Johann Andreas begründeten durch ihre Nachkommen eine regelrechte "malende Herrlein-Dynastie", die sich etwa über zwei Jahrhunderte hielt.


In Batten malte er also die Verkündigung des Erzengels Gabriel an Maria (Lk 1,26-38). Zum Zeichen ihrer Jungfräulichkeit überreicht ihr der Engel eine wunderbar aufgeblühte Lilie. Mit der Linken weist sie auf ein Buch hin, wie um ihre Antwort zu unterstreichen: "Mir geschehe nach deinem Wort". Über ihr deutet eine Taube das Wirken des Heiligen Geistes in ihr an, durch das Gott menschliche Natur angenommen hat. Zu ihren Füßen übersieht man leicht als kleine Beigabe ein Nähkörbchen mit Schere darin, das allerdings durch das geschnitzte Osterlamm mit Siegesfahne auf dem Tabernakel verdeckt wird.


Das Bild im Altarauszug darüber ist flankiert von zwei Rauchfass schwingenden Engeln. Es zeigt Gott Vater und den Sohn mit dem Kreuz und vervollständigt damit die Personen der göttlichen Dreifaltigkeit, denn der Heilige Geist in Gestalt einer Taube ist bereits in der Verkündigungsszene darunter dargestellt. Durch die Menschwerdung Gottes verbinden sich Himmel und Erde.

Im vorderen Bereich der Kirche verdient noch die Kanzel Aufmerksamkeit, die mit vergoldeter Rokoko-Ornamentik reich verziert ist und eine weitere Taube als Heilig-Geist-Symbol unter dem Schalldeckel trägt.


Auch an dem schlichten, naturbelassenen Chorgestühl, an Kommunionbank, Beichtstuhl und Emporenbrüstung findet sich zum Teil reich vergoldetes Rokoko-Schnitzwerk. Die Wangen der Bänke tragen Fürstenhutornamente.


Die Provisorien des Ambos und des Zelebrationsaltars aus den siebziger Jahren wurden bei der letzten Renovierung von 1997 dem Stil des Chorraums angeglichen. Eine schlichte, gegossene Herz-Jesu-Figur an der Kommunionbank vervollständigt den derzeitigen Blick in den Chorraum.

Bei der Renovierung von 1997 fand man beim Ausheben der Schächte für die Heizung Reste eines Skeletts, die anschließend wieder links neben dem Marienaltar in der Nähe der Außenwand beigesetzt wurden. Vermutlich handelt sich dabei um Gebeine des aus Kranlucken stammenden Pfarrers Johannes Mihm, der 1729 Pfarrer in Batten wurde. Er starb am Gründonnerstag, dem 8. April 1752 mit 52 Jahren und wurde "vor dem Hochaltar beigesetzt". Die Ehre, im Innern der Kirche bestattet zu werden, wurde im zuteil, weil er die ganze Last des Kirchbaus an Ort und Stelle zu tragen hatte, was in der damaligen Zeit keine geringe Leistung war. Im Totenmatrikel ist über ihn verzeichnet: Multam sedulitatem et dexteritatem ostendit, fuit alter Joannes in deserto praedicans bapt. paenitentiae in remissionem peccatorum. (Er zeigte viel Fleiß und Rechtschaffenheit, er war ein zweiter Johannes, der in der Wüste die Taufe zur Buße und Sündenvergebung predigte.)

Wenn wir unseren Blick nun zum rückwärtigen Teil der Kirche wandern lassen streift er die vierzehn Stationen des Kreuzwegs, die einem unbekannten Maler des Barock zuzuordnen sind, darüber das gewaltige Missionskreuz, das an die "Volksmissionen" vergangener Tage erinnert. Im Archiv bewahrt die Pfarrgemeinde das Schreiben des Provinzials der Thüringischen Franziskanerprovinz, Winimarus Arnold, vom 23. Sept. 1754 auf, worin er das Errichten eines Kreuzwegs in der Pfarrkirche genehmigt und die damit verbundenen Ablässe bestätigt. (Ein ähnliches Schreiben aus dem Jahr 1776 bezieht sich auf die Filialkirche zu Seiferts und in einem weiteren von 1781 genehmigt der Fürstbischof (Heinrich von Bibra) in Seiferts und Brand Gottesdienste und Christenlehre zu halten, wofür diese im Gegenzug zur Unterhaltung der Kaplanei beizutragen hätten.)


Auf der Empore fällt vor allem die Orgel ins Auge, die für die musikalische Gestaltung der Gottesdienste nicht mehr wegzudenken ist. Gleich nach ihrer Vollendung im Barock erhielt die Kirche eine Orgel, die, obgleich nach rund 100 Jahren (1850) gründlich renoviert, 1862 als "unspielbar" galt. So baute 1865 der Orgelbauer Michael Katzenberger aus Oberelsbach eine neue Schleifaldenorgel mit 14 Registern ein, die aber mit ihrem fünfgliedrigen Prospekt, der mit klassizistischen Zopfornamenten versehen war, wie ein Fremdkörper wirkte.


Nach dem Tode Katzenbergers kümmerte sich die Orgelbau-Familie Hey aus Urspringen um die Orgel, die 1966 auf Betreiben von Pfr. Kribus ein völlig neues Instrument unter Verwendung alter Teile einbaute. Mit ihrem Spitz- und zwei Rundtürmen im Prospekt, der außerdem mit reichen Akanthusornamenten verziert ist, fügt sie sich gut in die barocke Einheit der Kirche ein. Allerdings wurden aus Geldmangel zunächst nur die sieben Register des Hauptwerks und später (1979) die vier des Pedals eingebaut; die Fertigstellung des zweiten Werks mit sechs Registern erfolgte erst 1998 im Zuge der umfangreichen Renovierung durch Orgelbauer Hoffmann aus Ostheim, so dass die Orgel nun mit ihren 17 Registern erklingt.


Das unter dem Aufgang zur Empore hängende Bild unbekannter Herkunft zeigt Johannes den Evangelisten, eindeutig ausgewiesen durch sein Attribut, den Adler. Er schreibt in ein Buch auf seinen Knien und man kann in Latein deutlich den 14. Vers des 1. Kapitels seines Evangeliums lesen: "Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt, und wir haben seine Herrlichkeit gesehen, die Herrlichkeit des einzigen Sohnes vom Vater, voll Gnade und Wahrheit."

Ein weiteres, seiner Herkunft nach nicht einzuordnendes kleineres Bild neben dem Beichtstuhl zeigt den hl. Antonius von Padua mit dem Jesuskind auf dem Arm. Des Nachts sei ihm oft das Jesuskind erschienen, das er liebevoll auf seinen Armen trug. Wer sich im Gebet vertrauensvoll an ihn wendet, dem hilft er, Verlorenes wieder zu finden.


Auf einem Wandpodest, zum Beichtstuhl deutend, steht eine weitere, kleine Figur des Hüters des Beichtgeheimnisses, des hl. Johannes Nepomuk, ohne Beigaben. Gegenüber, am Pfeiler des Turms ist Gelegenheit, vor dem schlichten Bild einer Pieta Opferkerzen zu entzünden und dies mit einem kleinen Gebet oder Anliegen zu verbinden. (Der Opferstock wird täglich geleert.) Der Osterleuchter in Eiche ist ein Werk eines einheimischen Bildhauers Hugo Zentgraf (1913-1985); geschnitzt und gestiftet im Jahr 1979.


In der Nähe des Portals fällt der Blick auf den Taufstein, der die Abkürzung C.G.B. und die Jahreszahl 1728 trägt, also noch aus der Zeit vor dem Kirchbau stammt. Bei der Renovierung 1997 wurde er mitten unter den Bogen der Turmpfeiler gesetzt, wo er sich, aus Sandstein gefertigt, gut in den ebenfalls aus Natursandstein bestehenden neuen Bodenbelag einfügt. An diesem Standort kann er symbolisieren, dass nur durch die Taufe der Eintritt in die Gemeinschaft der Kirche möglich ist. Für alle Getauften ist er Erinnerungsmal an die Zugehörigkeit zu Christus und eine Aufforderung, nach seinen Geboten zu leben.


In die Außenfassade der Kirche sind drei Nischen eingelassen. In der mittleren hoch oben befindet sich über dem schon erwähnten Buseckschen Wappen eine Sandstein-Statue der Gottesmutter auf einem gewaltigen Drachen. Die beiden Figuren darunter sind aus Holz gefertigt und zeigen den hl. Bonifatius (links) mit Stab und den hl. Johannes Nepomuk mit Kreuz und Buch. Damit ist die Fassade der Kirche wie ein Vorspiel der Thematik, die in ihrem Innern entfaltet wird.

Das Geläut im Turm blickt auf eine wechselvolle Geschichte zurück, die nicht mehr in allen Einzelheiten nachvollzogen werden kann. Die erste Generation bestand zunächst aus zwei Glocken der Eckweisbacher Glockengießer Johann und Valentin Krick aus dem Jahr 1773. Eine trug die zum Weihetitel der Kirche passende Aufschrift: "Mater intemerata intercede pro populo tuo tibi devoto" (Unversehrte Mutter, tritt ein für dein Volk, das dir ergeben ist), die andere trug einen Hinweis auf ihre Stiftung unter Pfarrer und Dechant Phillip Ernst Dimas. Richtig geschrieben hieß er Diemar, stammte aus Ostheim und war von 1764 bis 1781 Pfarrer in Batten.


Erst später ist eine dritte, kleinere Glocke dazu gekommen, die auch zum Gedächtnis der Verstorbenen geläutet wurde, wie ihrer Inschrift zu entnehmen ist: "Fiat pax vivis et defunctis" (Friede sei den Lebenden und Verstorbenen). Sie trug keinen Hinweis auf den Glockengießer, aber die Namen zweier Geistlicher: "I. G. Weber paroch. F. Hohmann sac.", dürfte also zwischen 1860 und 1862 angeschafft worden sein, denn in dieser Zeit war Franz Hohmann aus Hilders Kaplan bei dem 1862 verstorbenen Battener Pfr. Johann Georg Weber aus Würzburg. Keine dieser drei Glocken hat den Ersten Weltkrieg überlebt.


Vom heutigen Geläut ist die kleine Glocke (450 kg) die älteste, sie wurde 1919 von der Glockengießerei Otto in Bremen-Hemelingen gegossen, von der die meisten Glocken des Fuldaer Landes stammen. Sie ist dem Patron der Gemeinde, Johannes dem Täufer geweiht und trägt die Inschrift: "+ St. Johannes praecursor Domini (Vorläufer des Herrn)+1908-1919" und: "+St. Johannes 1908 genannt / diente ich dem Vaterland / Batten und Findlos ließen mich wieder erstehn / + den Tag des Goldenen Priesterjubiläums zu sehen / ihres Pfarrers Ignatius Schnaus 22. Mai 1919".

Der Inschrift nach zu urteilen hatte die Glocke also eine Vorgängerin aus dem Jahr 1908, von der aber nichts Näheres bekannt ist. Pfr. Schnaus aus Kerbersdorf bei Salmünster, auf dessen Goldenes Priesterjubiläum mit der Glockeninschrift hingewiesen wird, war 1903 - 1928 Pfarrer in Batten und Dechant des Dekanates Hilders; er starb am 24. 8. 1930, sein Grab ist eines der fünf Priestergräber auf dem Battener Friedhof.


Auch über die beiden großen Glocken, die nach dem Ersten Weltkrieg existierten, konnte bisher nichts Näheres in Erfahrung gebracht werden. Sie durften jedenfalls im 2. Weltkrieg "dem Vaterland dienen", nachdem sie am 6. 1. 1942 beschlagnahmt worden waren. Dank des unermüdlichen Einsatzes einiger Gemeindemitglieder konnten 1952 zwei neue Glocken gegossen werden und zwar von der renommierten Glockenfirma Petit & Gebr. Edelbrock in Gescher/Westfalen.


Die größere der beiden (980 kg) ist dem heiligen Josef geweiht, sie trägt die Inschrift: "St. Joseph protector noster ora pro nobis" (...unser Beschützer, bitte für uns) und am Schlagring ist zu lesen: "Danket Gott der uns behütet hat in der Not des Krieges. Gedenket der Toten und Vermissten". Die zweite (660 kg) ist der Gottesmutter geweiht und trägt am Hals die Inschrift: "Ave Maria gratia plena ora pro nobis populo tuo devoto" (Gruß dir, Maria, voll der Gnade, bitte für dein dir treu ergebenes Volk).


Diese Glocken sind auf f' und g' gestimmt und ergeben mit der kleinen, auf a' gestimmten Glocke ein "stimmiges" Geläut, so dass der damalige Glockenspezialist des Bistums, Domorganist Ackermann, der Gemeinde ausdrücklich gratulierte und in seinem Schreiben bemerkte: "Ich habe selten Glocken von solcher Reinheit und Makellosigkeit gehört". (Schreiben vom 31.12.1952, im Pfarrarchiv. Vgl. auch E. Sturm: Die Glocken des Fuldaer Landes in: Buchenblätter 10.7.1985)

Damit wäre unser virtueller Rundgang durch die Battener Kirche beendet. Blicken wir noch einmal von außen auf die eher schlichte Kirche mit ihrem, nach barocker Manier geschweiftem Giebel mit den Steinkugeln am Ansatz, dem Dreiecksgiebel über einem kräftigen Gesims, der in den Turm übergeht, von dessen vergoldetem Turmknopf aus exakt 507 Metern Meereshöhe das Doppelkreuz (Patriarchalkreuz) herunter grüßt und von der einst unabhängigen, nur dem Papst verpflichteten Stellung der Fürstabtei Fulda zeugt.

Teil III: Vom Kirchbau bis zur Gegenwart


1. Die ausgehende Barockzeit im 18. Jhdt.

Vervollständigen wir nun in diesem dritten Kapitel die Geschichte der Pfarrei Batten und ihrer Pfarrkirche indem wir einige ihrer Geschicke seit der Barockzeit, der Mitte des 18. Jhdts. erwähnen. Dabei soll der Blick wieder über den eigenen Kirchturm hinaus, wenigstens bis zu den Türmen des Fuldaer Dom gelenkt werden und hin und wieder auch bis zur Kuppel des Petersdoms.


In Fulda war mit der Ära Buseck (1737-1756) die barocke Entwicklung zu ihrem Höhepunkt gelangt. Durch seinen Hofbaumeister Gallasini, der die Pfarrkirche Batten erbaut hatte, ließ Fürstabt Amand v. Buseck auch die fürstliche Sommerresidenz Fasanerie ließ errichten.


Als am 5. Oktober 1752 Papst Benedikt XIV. (1740-1758) die Fürstabtei zum eigenständigen Bistum erhob, wurde aus der Stiftskirche der Dom zu Fulda und Amand v. Buseck der erste Fürstbischof. Wie er, waren auch die nachfolgenden Fuldaer Bischöfe bis zur Säkularisation allesamt Benediktinermönche.


Es gelang Amand allerdings nicht, den exempten Status des neuen Bistums, den bereits Bonifatius 751 von Papst Zacharias für das Kloster erwirkt hatte, gegen den

Widerstand der anderen Bischöfe zu verteidigen; schließlich wurde das Bistum Fulda 1755 der Mainzer Kirchenprovinz zugeordnet. Das neue Bistum umfasste damals rund 70.000 Katholiken in 7 Dekanaten mit 63 Pfarreien, die von 67 Pfarrgeistlichen betreut wurden. Die Feierlichkeiten zur Bistumsgründung beging man erst am 6. Februar 1753, dem Namesntag Amands;unter entsprechendem Aufwand dehnte man sie eine ganze Woche aus.


In diesem Zusammenhang darf vielleicht nachgetragen werden, dass man schon zu damaliger Zeit offensichtlich auch in Batten trefflich zu feiern wusste. Jedenfalls ist ein Brief von Pfr. Mihm (den man nach seinem Tod 1751 in der Battener Kirche beisetzte) mit Datum vom 14. Okt. 1740 an Fürstabt Amand v. Buseck erhalten, in dem er sich über die Kosten der Feierlichkeiten zur Weihe der neuen Kirche beklagt, bei der "anbey" 10 Eimer Bier getrunken und dazu ganze Berge von Fleisch verzehrt wurden, so dass nicht nur seine gesamten Ersparnisse, sondern auch ein großer Teil seiner Kochgerätschaften verloren gingen.


Auch die Jugend feierte schon damals auf ihre Weise. Sind es heute Discos und Jugendräume, so waren es zu jener Zeit die "Spinnstuben", die weltlicher wie geistlicher Obrigkeit Anlaß zu Klagen boten, weil dort offenbar nicht nur im tatsächlichen, sondern auch im übertragenen Sinn emsig "gesponnen" wurde. Entsprechende Schreiben finden sich im Battener Archiv aus den Jahren 1749 und 1787. - Der damalige Pfarrer Wilhelm Zirkel (1781-1818) hatte 1790 auch den mißglückten Bekehrungsversuch des Oberelsbacher Protestanten Valentin Jesser zu beklagen, der eine Schreinerstochter aus Batten geheiratet hatte (was die Thematik für verschiedene Sketche und Theaterstücke lieferte). Pfarrer Zirkel starb 1818 am Vorabend und mitten in den Vorbereitungen des Festes Maria Geburt, "während ein geschnitztes Engelbild in der Kirche herabfiel" (unklar bleibt, ob er von diesem getroffen wurde).


Die barocke Lebensform entfaltete sich auch im religiösen Leben, was sich in der Begründung neuer Wallfahrten, etwa nach Walldürn, in der Einführung des Ewigen Gebetes und eines neuen Gesangbuches zeigte. Damals blühten auch verschiedene Bruderschaften auf. Im Pfarrarchiv von Batten finden sich Mitglieds- und Beitragsverzeichnisse und zwei Dokumente des Apostolischen Stuhls, in der den Mitgliedern der "Erzbruderschaft des heiligsten und unbefleckten Herzens der seligen Jungfrau Maria" der Pfarrei Batten besondere Ablässe gewährt werden (vom 10. Jan. 1865 und 3. Aug. 1904; mehrere andere Dokumente dieser Art aus dem Jahren 1746 bis 1893 gewähren Ablässe für die Pfarrkirche Batten an Maria Geburt und zwei anderen, vom Ortsbischof zu bestimmenden Tagen mit einer Gültigkeit von jeweils sieben Jahren).


Von den Auswirkungen des Siebenjährigen Kriegs (1756 - 1763) blieb Fulda und mit ihm das Ulstertal weitgehend verschont, wenn man einmal von Kriegssteuern und der Versorgung durchziehender Truppen absieht. Doch die geistige Bewegung der Aufklärung machte vor den Toren Fuldas und der Rhön nicht Halt, viele äußere Formen des Barock verloren ihre Gültigkeit, das Pendel schwenkte in eine andere Richtung; auch Vernunft- und Nützlichkeitsdenken konnten übertrieben werden.


2. Säkularisation und Kulturkampf im 19. Jhdt.

So kam es zu Beginn des 19. Jhdts. zur "Säkularisation", die gleich 1802 auch das Fürstbistum Fulda ereilte, wodurch die weltliche Herrschaft des Bischofs endete und die kirchlichen Strukturen zerbrachen. Sämtliche Klöster und kirchliche Einrichtungen wurden zerstört, dadurch gingen auch unschätzbare Kulturgüter verloren (Bücher, Bilder, liturgische Geräte etc.).


Gemäß einem Vertrag zwischen Frankreich und Preußen fiel das Bistum Fulda 1802 an Wilhelm V., Fürst von Oranien-Nassau, der es an seinen Sohn Friedrich weiter reichte.

Im Reichsdeputationshauptschluß von 1803 entschädigten sich die deutschen Fürsten für den Verlust der linksrheinischen Gebiete durch die Enteignung der geistlichen Güter. Der Bestand des Bistums und der Pfarreien wurden zwar garantiert, doch völlig neu geordnet, so kam Fulda zur Kirchenprovinz Freiburg. Das neue Bistum umfasste jetzt etwa 100.000 Katholiken in 70 Pfarreien, doch war es mit nur noch 15 % Katholikenanteil zum Diasporabistum geworden.


Als der letzte Abt und Fürstbischof Adalbert von Harstall 1814 starb, erhielt er erst 1829 einen Nachfolger in Bischof Johann Adam Rieger (1829 - 1831), dem ersten "nicht-adeligen" und "nicht-Mönch" auf dem Fuldaer Bischofsstuhl. Er war vorher Pfarrer in Kassel und Hofkaplan des Landgrafen Friedrichs II., aber zum Zeitpunkt seiner Ernennung schon 76 Jahre alt.

Der Neuanfang gestaltete sich schwierig und gelang erst unter dem Nachfolger Bischof Pfaff (1832 - 1848), der aus Fulda stammte und nach seinem Tod unter der Kuppel des Doms beigesetzt wurde.


Während der Vakanz des Fuldaer Bischofstuhls (1814 - 1829) blieb auch die Pfarrstelle Batten einige Jahre verwaist (1818 - 1823).


Die weltliche Herrschaft über Fulda und dem mit ihr zunächst noch verbundenen Ulstergrund wechselte in dieser Zeit mehrfach: Nach dem Sieg Napoleons über Preußen bei Jena/Auerstedt 1806 wurde es den protestantischen Fürsten Oranien-Nassau entrissen und zu einer französischen Provinz. 1810 kam es dann zum kurzlebigen Großherzogtum Frankfurt von Napoleons Gnaden unter dem ehemaligen Mainzer Erzbischof Fürstprimas Karl Theodor von Dalberg.


Nach den verschiedenen Niederlagen Napoleons (Russland 1812, Leipzig 1813, Waterloo 1815) wurde die Provinz Fulda auf dem Wiener Kongreß 1815 aufgelöst und während Fulda selbst dem Kurfürstentum Hessen-Kassel zufiel, wurde Batten am 14.4.1816 mit Hilders und den südlichen Gebieten über Weyhers bis Hammelburg Bayern zugeschlagen.


Als Folge davon, aber mit einigen Jahren Verzögerung, wurde Batten am 17.2.1821 dem Bistum Würzburg übergeben und in das Dekanat Bischofsheim eingegliedert. Deshalb stammte der erste Pfarrer nach der Vakanz, Odorikus Kobel (1823 -1832), wie auch die vier nachfolgenden Geistlichen, aus dem würzburger Bistum.


Die kurhessische Regierung machte dem Bistum Fulda durch seine ständige Einflußnahme das Leben schwer. Deshalb begrüßte man die Revolution von 1848, die für die Katholiken mehr Freiheit brachte. In diesem, für ganz Europa unruhigem Jahr, gelangte Christoph Florentius Kött auf den Fuldaer Bischofsstuhl (1848 -1873),


der vorher Pfarrer und Dechant in Amöneburg und anschließend Pfarrer in Kassel gewesen war. Er konnte die Position der Kirche durch verschiedene Maßnahmen wie die Erweiterung des Priesterseminars und die Gründung von Vereinen und Bruderschaften wieder stärken. Die Vinzenz- und Elisabethkonferenzen setzten sich für soziale Belange ein, der Piusverein für die religiöse Freiheit der Katholiken, der Bonifatiusverein für die Diaspora und die "Bruderschaft vom hl. Erzengel Michael" für die Unterstützung des apostolischen Stuhls durch Gebet und Spenden.

In Würzburg trat 1848 zum ersten Mal die Bischofskonferenz zusammen, die von nun an jährlich, ab 1867 dann in Fulda am Grab des hl. Bonifatius stattfand. Das Bonifatiusdenkmal wurde 1855 zum elfhundertjährigen Bonifatius-Jubiläum errichtet.


Als am 18. Nov. 1855 in Fulda der "Katholische Gesellenverein" gegründet wurde konnte Adolf Kolping zwar nicht persönlich anreisen, er schrieb jedoch an den Stadtkaplan Simon Wehner: "Ihr guten Leutchen in Fulda, führt Euch diesen Winter einmal recht patent auf, so dass alle braven Leute Freude an Euch haben und der Teufel in der Hölle sich kaputt ärgert."


Auch in Batten ging es in diesen Jahren aufwärts. Die Kirche stand seit rund 100 Jahren und in dieser Zeit scheint so gut wie nichts zu ihrer Erhaltung unternommen worden zu sein. Schon 1838 gab es Klagen wegen Holzwurmbefalls, etwas später ist sogar die Rede von Einsturzgefahr laut Oberbauratsgutachten. So wurden 1842 die Seitenaltäre neu gefaßt, 1849 die Kanzel renoviert, 1855 das Herrlein-Bild aufgefrischt, 1857 das Dach komplett neu gedeckt (auch der Turmknopf wurde geöffnet) und 1865 schließlich eine neue Orgel von dem Oberelsbacher Orgelbauer Michael Katzenberger eingebaut als Schleifladenorgel mit 14 klingenden Registern.


1861 war das heutige Pfarrhaus anstelle eines Vorgängerbaus errichtet und am 10. 8. 1862 die Friedhofskapelle durch Pfr. Weber zu Ehren der Mater dolorosa benediziert worden.

Neben zahlreichen Renovierungsarbeiten scheint sich auch eine innere Erneuerung vollzogen zu haben, wofür die Gründungen zahlreicher Bruderschaften auch in Batten ein Indiz sind, etwa die "Erzbruderschaft des heiligsten und unbefleckten Herzens der seligen Jungfrau Maria" am 10. Jan. 1865, die Herz-Jesu-Bruderschaft 1871, die Corpus-Christi-Bruderschaft und die Herz-Mariä-Bruderschaft 1873 (die Original-Urkunden befinden sich im Archiv).


In dem furchtbaren deutschen Bruderkrieg von 1866, der auch die Rhön nicht verschonte, siegten die Preußen über Österreich in der Schlacht bei Königgrätz/Böhmen. Auch Kurhessen gehörte zu den Verlierern was zur Folge hatte, dass es sang- und klanglos unterging und ein Großteil des Bistums Fulda nun preußisch wurde. Auch die 1816 von Fulda abgetrennten Gebiete Batten und Hilders kamen am 5.1.1867 zu Preußen und kehrten deshalb einige Jahre später, am 14.9.1871, auch wieder heim ins Bistum Fulda.


An die Würzburger Zeit erinnert noch die Verehrung des heiligen Kilian, des Würzburger Bistumspatrons; so haben wir heute seine Statuen in der Fassade der Seifertser Kirche und im Innern der Thaidener Kirche.


Die Bedrängnis der Kirche von Seiten des Staates, die von der Säkularisation herrührte, hatte also, wie wir sahen, zu deren innerer Geschlossenheit und Stärkung beigetragen. Man fühlte sich wieder bewußt "römisch-katholisch", d.h. der weltumspannenden Gemeinschaft der Kirche zugehörig mit ihrem Zentrum in Rom. Für diese Orientierung nach Rom prägte sich der Begriff "Ultramontanismus" aus, was soviel wie "jenseits der Berge" bedeutet, gemeint sind die Alpen, denn Rom liegt "jenseits der Alpen".


Diese Bewegung wurde vor allem von Vereinen und Laienverbänden getragen, für unseren Bereich war der "Mainzer Kreis" recht einflußreich. Daneben gab es aber auch die "liberalen" Katholiken; die Parallele zu unseren Tagen ist unverkennbar.


Die Ultramontanen, die auch in anderen Ländern verbreitet waren, trugen zum Erstarken des Papsttums bei, denn sie sahen in ihm einen Garant für Autorität und Ordnung gegenüber den geistigen Wirren ihrer Zeit.


Doch in seiner Heimat nutzte das dem Papst wenig. Pius IX. (1846 - 1878) mußte die Vernichtung des Kirchenstaates hinnehmen. Sein Pontifikat ist mit 32 Jahren das bisher längste der Geschichte. Ab 1871 betrachtete er sich als "Gefangener im Vatikan", obgleich ihm der italienische Staat weitgehende Privilegien einräumte.


Am 8. Dez. 1854 verkündete er das Dogma von der Unbefleckten Empfängnis Mariens und am 8. Dez. 1869 berief er das Erste Vatikanische Konzil ein. Es wurde vom deutsch-französischen Krieg (1870/71) unterbrochen, konnte jedoch zuvor noch die Definition der päpstlichen Unfehlbarkeit für ex cathedra verkündete Glaubens- und Sittenfragen verabschieden. Nicht alle Bischöfe waren damit einverstanden; auch der Fuldaer Bischof Kött und mit ihm viele andere deutsche Bischöfe waren dagegen.


Nach dem Sieg der Deutschen über Frankreich herrschte Jubel, auch in Fulda, bis hinein in die Rhön. Doch über der Katholischen Kirche zogen dunkle Wolken auf in Gestalt der Kirchenpolitik Bismarcks, die schließlich 1871 zum sogenannten "Kulturkampf" führte, der sich gegen eine "Bevormundung durch die Kirche" richtete und für eine "freie Kultur" eintrat.


In ganz Preußen wurden Orden und Klöster aufgehoben und die Ordensleute ausgewiesen. Der "Kanzelparagraph" schränkte die freie Predigt ein und das "Brotkorbgesetz" strich alle Pflichtleistungen des Staates gegenüber der Kirche. In den sogenannten "Maigesetzen" von 1873 wurde auch die heute noch praktizierbare Möglichkeit geschaffen, seinen Kirchenaustritt vor dem Amtsgericht zu erklären.


Obgleich diese Maßnahmen in erster Linie gegen die katholische Kirche gerichtet waren, lehnte sie auch die evangelisch-konfessioneller Seite ab. Im Endeffekt aber wurde das Verhältnis zwischen den Konfessionen noch tiefer untergraben.


Im überwiegend papsttreuen, "ultramontanen" Fulda stießen die Gesetze zur Reglementierung der Kirche auf heftigen Widerstand. Demonstrativ hatte man 1869 das fünfzigste Priesterjubiläum von Papst Pius IX. gefeiert und die Illumination der Stadt mit den umliegenden Rhönbergen soll selbst durch die Feierlichkeiten zum Friedensschluß von 1871 nicht übertroffen worden sein.

Als schließlich von den Geistlichen eine schriftliche Zustimmung zu den Kulturkampfgesetzen gefordert wurde, verweigerten diese viele, darunter auch der Fuldaer Bischof Kött. Er wurde daraufhin zu einer Strafe verurteilt, die er jedoch verweigerte. Deshalb pfändete man seinen Nachlaß, als er 1873 starb. Im gleichen Jahr wurde das Priesterseminar geschlossen. Bis zur Wiedereröffnung 1886 wurden die Seminaristen in Würzburg ausgebildet, in einem eigens eingerichteten "Fuldaneum", aus dem 41 Priester hervorgingen.


Der Bischofsstuhl in Fulda blieb zum zweiten Mal in diesem Jahrhundert für mehrere Jahre unbesetzt. Nach langen Verhandlungen ernannte Papst Leo XIII. (1878 - 1903) schließlich den vorherigen Hildesheimer Generalvikar Georg Kopp zum Bischof von Fulda (1881 - 1887). Bei seinem Amtsantritt schrieb er: "Beim Anblick dieser Ruinen und bei der Erwägung dieser Verhältnisse kann ich euch heute nur zurufen: Ja, ihr habt einen Bischof, aber er steht vor euch mit gebundenen Händen. Doch soweit ich die Hände rühren kann, will ich sie rühren, um das Bestehende zu erhalten und das Verfallene wieder aufzubauen." 1887 wurde er Fürstbischof von Breslau, 1893 Kardinal und Vorsitzender der Fuldaer Bischofskonferenz.


Unter seinen Nachfolgern Joseph Weyland (1887 - 1894), Georg Ignaz Komp (1894 - 1898) und Adalbert Endert (1898 - 1906) gelangte das Bistum rasch zu neuer Blüte. Aus dem Kulturkampf, den Bismarck 1881 aufgeben mußte, war es "äußerlich schwer beschädigt, aber innerlich gestärkt" hervorgegangen. 1880 waren 980 Pfarreien verwaist und 1400 Stellen vakant, doch sie konnten rasch wieder besetzt werden und die vertriebenen Ordensleute kehrten zurück.


In Batten setzte man die unterbrochene Kirchenrenovierung mit Tüncharbeiten fort. 1882 fertigte der Würzburger Kirchenmaler Klaus Sperlich ein Deckengemälde, das die Krönung Mariens durch die Heiligste Dreifaltigkeit zeigte. Für diese einjährige Arbeit erhielt er 160 Mark. 1893 findet sich die Notiz einer Schädigung der Kirche durch Blitzschlag.


Die Filiale Seiferts freute sich über die Vollendung der neuen Kirche, die, nach Einbau einer Orgel durch den Orgelbauer Hey, am 21. Juni 1883 konsekriert wurde.


Das Ende des Jahrhunderts stand in Batten im Zeichen einer geistlichen Erneuerung in Gestalt der ersten Volksmission, die vom 27.11. bis 4.12. 1898 statt fand; ein Täfelchen mit der Jahreszahl am Fuß des Missionskreuzes weist bis heute darauf hin.


Das neue Jahrhundert bescherte der Kirche auch ein neues Dach (1900) und 1902 wurden die Altäre neu gefaßt und vergoldet. Schließlich setzte man 1904 neue Fenster ein, die 1907 mit Glasmalereien versehen wurden.


3. Die Zeit der beiden Weltkriege und der Wiederaufbau

Die glanzvolle Feier des Bonifatiusjubiläums in Fulda zum 1150. Todestag des Heiligen wurde am 4. Juni 1905 überschattet durch den Brand des Doms während der Reliquienprozession, den ein Feuerwerkskörper verursacht hatte. Dabei brannte der nördliche Turm völlig aus und die große Hosanna-Glocke sowie die Bonifatiusglocke wurden zerstört.


Die Aufregung darüber scheint zum frühen Tod von Bischof Endert im Alter von nur 55 Jahren am 17. Juli 1906 beigetragen zu haben. Er wurde im Dom beigesetzt.


Im Jahr darauf, am 19. März 1907, konnte sein Nachfolger eingeführt werden: Bischof Joseph Damian Schmitt (1907 - 1939), der aus Marbach stammte und der die Geschicke des Bistums so lange wie kein anderer leiten sollte. Einer seiner ersten Besuche galt dem Dekanat Hilders, in dessen Verlauf er am 22. Juli 1907 auch in Batten die Firmung spendete.


Im Jahr 1910 gehörten zum Bistum Fulda 200.000 Katholiken, die in 203 Seelsorgestellen von 150 Priestern betreut wurden. Für das Jahr 1911 ist eine Renovierung des Battener Kirchturms bezeugt.


Bischof Damian, der eine große persönliche Frömmigkeit ausstrahlte, hegte eine kindliche Verehrung für das Heiligste Herz Jesu und für den hl. Joseph, seinen Namenspatron. (Davon zeugt bis heute in der Marienkapelle des Doms das eindrucksvolle Bild von Prof. Hermann Knackfuß, das den Heiligen mit dem Jesuskind in seiner Werkstatt zeigt.)


Eine weitere Hochachtung hatte der Bischof für Papst Pius X. (1903 - 1914), der 1954 heiliggesprochen wurde. Wie diesem, ging es auch ihm um eine umfassende Erneuerung in Christus. Besonders die Dekrete über die frühe Erstkommunion und den häufigen Kommunionempfang suchte Bischof Damian in seinem Bistum umzusetzen.


Im Juli 1913 kam er ein weiteres Mal nach Batten, um die Firmung zu spenden und um sich in der Schule von den religiösen Kenntnissen der Kinder aus Batten und Thaiden zu überzeugen.

Die heute nicht mehr nachvollziehbare allgemeine Kriegsbegeisterung dieser Jahre war auch in Fulda und Umgebung virulent und führte schließlich im Sommer 1914 zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs. Bischof Damian hielt ihn für eine Heimsuchung, betrachtete es aber doch als "heilige Sache", für Deutschland in den Krieg zu ziehen.


Schon bald erhielt man die Quittung dafür - die Ehrenmäler unserer Gemeinden zeugen bis heute davon. Teuerungen und Lebensmittelknappheit, die sich in Fulda bis zu einer regelrechten Hungersnot ausweitete, waren eine weitere Folge des Krieges, die auch nach Kriegsende und dem Zusammenbruch des Deutschen Kaiserreichs noch anhielten.

Nach der Revolution im November 1918 war der Weg zu demokratischen Wahlen geebnet, die im Frühjahr 1919 stattfanden und bei der die Zentrumspartei dominierte, für die sich die deutschen Bischöfe in einem Hirtenwort eindeutig ausgesprochen hatten. Diese 1870 gegründete und kurz "Zentrum" genannte Partei kann als politische Frucht der ultramontanen Bewegung angesehen werden und wirkte erfolgreich im Kulturkampf, während des Ersten Weltkrieges und in der Weimarer Zeit.


Als es langsam wieder aufwärts ging errichtete man zum Dank in Batten nach dem Vorbild der Grotte in Lourdes eine Mariengrotte, die im Jahr 1923 am Fest Maria Geburt geweiht wurde. Bis heute wird sie von engagierten Gemeindemitgliedern sorgfältig gepflegt und regelmäßig zum Gebet aufgesucht (seit 1991 das gemeinsame Rosenkranzgebet donnerstags mittags und im Marienmonat Mai sowie im Rosenkranzmonat Oktober das "Wallen" der Gemeinde dorthin zur Muttergottesandacht).


Am 14. Juni 1929 schloß Preußen mit dem Heiligen Stuhl ein Konkordat, durch das auch die mitteldeutschen Bistümer neu geordnet wurden. Das Bistum Fulda wurde der neu errichteten Kirchenprovinz Paderborn eingegliedert; es gab Teile der Stadt Frankfurt an Limburg ab und die ehemalige Grafschaft Schaumburg an Hildesheim. Dafür erhielt es das Eichsfeld mit Heiligenstadt und das Dekanat Erfurt.


In den verschiedenen Reichstagswahlen bis 1933 blieb das Zentrum in Fulda und Umgebung stärkste Partei, sogar mit absoluter Mehrheit; die NSDAP hatte hier kaum eine Chance. Es ist interessant zu sehen, dass die Nationalsozialisten auf deutscher Ebene in den vorwiegend protestantischen Gebieten ihre größten Wahlerfolge erzielen konnten. Leider verhalf dann am 23. März 1933 auch das Zentrum mit seinen Stimmen dem Ermächtigungsgesetz Hitlers zur Mehrheit, wenn auch unter massivem Druck, und mußte sich wenig später als letzte der so genannten bürgerlichen Parteien selbst auflösen. Nach 1945 wurde es zwar wieder gegründet, versank aber gegenüber der mächtigen CDU Adenauers in der Bedeutungslosigkeit, wobei es bis heute geblieben ist.


Mit der Machtübernahme durch Hitler 1933 begann ein neuer Kirchenkampf. Diesmal einte der Kampf Staat gegen Kirche katholische und evangelische Konfession, anders als im Kulturkampf unter Bismarck, was für die Ökumene nach 1945 eine gute Ausgangsbasis schaffte.

Von dem 1933 mit Hitler geschlossenen Reichskonkordat ließen sich viele gutmeinende Katholiken blenden. Der damalige Vorsitzende der Fuldaer Bischofskonferenz, Adolf Kardinal Bertram (1919 - 1945), Erzbischof von Breslau, vertrat den Nationalsozialisten gegenüber eine eher versöhnliche Linie und die übrigen deutschen Bischöfe verhielten sich ihm gegenüber loyal. Rühmliche Ausnahmen waren der Münchner Kardinal Michael von Faulhaber (1869 - 1952), Bischof Clemens August Graf von Galen (1878 - 1946), der "Löwe von Münster", und der Eichstätter und spätere Bischof von Berlin, Konrad Graf von Preysing (1935 - 1950), die eine härtere Linie einschlugen und mit ihren Predigten den Nationalsozialisten furchtlos entgegen traten.


Bereits 1933 formulierten die deutschen Bischöfe eine sogen. "Fuldaer Erklärung", in der sie einerseits vor dem Nationalsozialismus warnen, andererseits diesen aber auch nicht zu härterem Vorgehen gegen die Kirche herausfordern wollten. Für die Enzyklika Pius XI. "Mit brennender Sorge" vom 14. März 1937 lieferten die im Fuldaer Bischofshaus versammelten Oberhirten die Vorlage. Am Palmsonntag 1937 wurde es als einziges päpstliches Rundschreiben, das je im Original in deutscher Sprache erschien, in allen katholischen Kirchen Deutschlands verlesen.

Die Auseinandersetzungen mit den Machthabern im Dritten Reich zehrten an den Kräften von Bischof Damian, so dass er sich auch im Blick auf sein hohes Alter von Rom einen Koadjutor erbat, den er 1939 in Person des bisherigen Regens des Bamberger Priesterseminars, DDr. Johannes Dietz, erhielt. Nach dem Tod von Bischof Damian am Ostermontag 1939 trat er dessen Nachfolge an und führte den Hirtenstab über Fulda von 1939 bis 1958.


Seine Amtszeit war geprägt von den Schrecken des Zweiten Weltkriegs und dem Wiederaufbau nach Kriegsende, als es vor allem darum ging, die zahlreichen Heimatvertriebenen zu integrieren. Unter den rund 4000 vom Naziregime ermordeten Priestern und Ordensleuten starben auch drei Fuldaer Geistliche als Märtyrer im Konzentrationslager: Pfr. Gustav Albert Vogt aus Küllstet, Pfr. Konrad Trageser aus Marbach und Pater Thaddäus Brunke OFM vom Kloster Frauenberg.

1942 wurden in den meisten Gemeinden die Glocken zu Rüstungszwecken konfisziert. In Thaiden läuteten sie zum letzten Mal ausgiebig am 5. 1. 1942, in Seiferts am 6. 1. und in Batten am 13. 1. Mit Tränen in den Augen verfolgten die Einwohner den Abtransport; nur die jeweils kleinste Glocke verblieb in den Türmen. (Näheres über die Glocken findet sich im 2. Kapitel, bis hin zur Weihe des neuen Geläuts am 25. Mai 1952.)


Am 19. August 1943 sahen sich die deutschen Bischöfe zu einem weiteren Hirtenbrief gedrängt, veranlasst durch die Deportation Behinderter, bei dem sie von den 10 Geboten ausgingen ("Dekalog-Hirtenbrief"); ihre Stellungnahme gegen die Vernichtung der Juden fiel leider nicht sehr vernehmlich aus. In Rom mühte sich Papst Pius XII. (1939 - 1958) auf seine Weise um das Schicksal des jüdischen Volkes, in dem er viele Tausende von ihnen in den Vatikanstaat aufnahm und tat, was er konnte, um ihnen zur Flucht zu verhelfen. Es wurde ihm später zum Vorwurf gemacht, dass er gegenüber dem Naziregime nicht offensiver für das Schicksal der Juden eintrat, was bis zu schweren Verleumdungen führte, die im Theaterstück "Der Stellvertreter" von Rolf Hochhuth gipfelten, das 1963 in Berlin uraufgeführt wurde. Es übt bis heute seinen zweifelhaften Einfluß aus, obwohl alle darin erhobenen Vorwürfe gegen Pius XII. längst widerlegt sind. Selbst jüdische Historiker treten für die Rehabilitierung des Papstes ein, wie etwa der Rabbiner und Professor für Politik und Geschichte David G. Dalin (in seinem Buch "Der Mythos von Hitler's Papst").


Am 11. Sept. 1944 und am 2. Febr. 1945 wurde der Fuldaer Dom durch Bomben schwer beschädigt. Am 27. Dez. 1944 spielte sich das Drama im Fuldaer Krätzbach-Bunker ab, als durch Bomben die Ausgänge verschüttet wurden; über 700 Menschen fanden den Tod und die Überlebenden hatten Furchtbares durchzustehen.


Nach dem Krieg stieg die Zahl der Katholiken im Bistum Fulda durch die Heimatvertriebenen um rund eine halbe Million, darunter etliche Priester. Rasch wurden Notunterkünfte und neue Seelsorgestellen mit Behelfskirchen eingerichtet. So entstanden unter Bischof Dietz 66 neue Kirchen und Kapellen. Die weiten Entfernungen in der Diaspora mußten meist zu Fuß oder mit dem Fahrrad bewältigt werden. Ein kleines Motorrad, ein DKW, oder gar ein VW Käfer waren die Ausnahme, zu deren Anschaffung aber das von Pater Werenfried van Straaten gegründete Hilfswerk "Ostpriesterhilfe" nach Kräften beitrug.


Durch das Abkommen von Potsdam kamen die in Thüringen gelegenen Gebiete des Bistums Fulda zur Sowjetischen Besatzungszone. Um dort die Seelsorge sicher zu stellen wurde der schon seit 1916 in Erfurt wirkende Dr. Joseph Freudsberg zum Generalvikar für den Ostteil des Bistums ernannt und 1953 zum Fuldaer Weihbischof mit Sitz in Erfurt geweiht. Seine Nachfolger waren 1967 Hugo Aufderbeck und 1981 Dr. Joachim Wanke, der nach der Wende dann erster


Bischof des neuen Bistums Erfurt wurde, das zur Zeit des hl. Bonifatius schon einmal für kurze Zeit bestanden hatte. (Kardinal Joachim Meissner wirkte ab 1975 zusammen mit Hugo Aufderbeck als Weihbischof in Erfurt, bevor er 1980 Bischof von Berlin und 1988 Erzbischof von Köln wurde.)


4. Das Bistum Fulda seit der zweiten Hälfte des 20. Jhdts.


Bevor wir daran gehen, die Geschicke der Gemeinde Batten bis zur Gegenwart in einem eigenen Kapitel zu schildern, soll in einem kurzen Überblick zunächst die Geschichte des Bistums Fulda abgeschlossen werden.


Zu den "größten Ereignissen der Fuldaer Geschichte" gehörte das Jubiläumsjahr des 1200. Todestages des heiligen Bonifatius 1954. Neben über 100 Kardinälen, Bischöfen und Äbten säumten 150.000 Gläubige den Weg der großen Reliquienprozession und den Abschlußgottesdienst feierte der Apostolische Nuntius Erzbischof Münch mit rund 100.000 Gläubigen. Auch Bundeskanzler Dr. Konrad Adenauer hatte sich eingefunden, er sprach am Nachmittag auf dem Domplatz.


An die Feier schloß sich der 76. Deutsche Katholikentag an, der unter dem Leitwort stand: "Ihr sollt Mir Zeugen sein". Bei der Schlußkundgebung in der Johannisaue strömten rund 300.000 Menschen zusammen aus West und Ost, was bald nicht mehr möglich war, denn die Machthaber in Ostberlin riegelten die "Ostzone" immer stärker ab und zogen schließlich 1962 den Grenzzaun mit dem Todesstreifen.


Nach der Amtsaufgabe von Bischof Dietz wurde sein Weihbischof Adolf Bolte (1959 - 1974) als dessen Nachfolger inthronisiert. Unter seiner Amtszeit setzte eine rege Bautätigkeit ein, die jedoch aus heutiger Sicht von einer Fehleinschätzung der künftigen Entwicklung ausging.

Bischof Bolte und sein Nachfolger Eduard Schick (1974 - 1982), der schon 1964 zum Weihbischof geweiht worden war, nahmen am Zweiten Vatikanischen Konzil teil, das Papst Johannes XXIII. (1958 - 1963) am 25. Dez. 1961 einberief und sein Nachfolger Paul VI. (1963 - 1978) am 8. Dez. 1965 beendete. Man hatte in Johannes XXIII., der mit 77 Jahren zum Papst gewählt worden war, zunächst einen "Übergangspapst" gesehen und war überrascht über diesen wichtigen Schritt zur Erneuerung der Kirche.


Die Unsicherheiten nach dem Konzil vor allem in liturgischen Fragen und die aufgeheizte Stimmung nach den Studentenunruhen und Demonstrationen nach 1968, die auch auf die Kirche abfärbten, führte zu etlichen Amtsniederlegungen von Priestern und zu einer Krise des Priesternachwuchses. 1972 erreichte die Zahl der Priesteramtskandidaten im Fuldaer Seminar mit 12 Studenten ihren Tiefstand. Dies belastete Bischof Bolte zusehends; er starb überraschend am 5. April 1974 in Unterbernhards, nachdem er mit einigen Weihekandidaten auf dem Michaelshof ein Gespräch geführt hatte.


Nach dem plötzlichen Tod von Papst Johannes Paul I. 1978, nur 33 Tage nach seiner Wahl, begann das mit 26 Jahren zweitlängste Pontifikat Johannes Pauls II. (1978 - 2005). Als er 1980 Fulda besuchte, war dies die Krönung der Amtszeit von Bischof Schick und gab der Aufwärtsbewegung, die unter ihm eingesetzt hatte, einen mächtigen Antrieb. 1982 nahm der Papst das Rücktrittsgesuch des 75jährigen Bischofs an, der bis zu seinem Tod am 20 Nov. 2000 in Horas lebte und in der Kirche seines Heimatorts Mardorf beigesetzt wurde.


Als am 5. Juni 1983 der Name des neuen Bischofs bekannt wurde, war dies eine Überraschung. Erzbischof Johannes Dyba (1983 - 2001) stammte aus Berlin, studierte in Bamberg und den USA, promovierte in Heidelberg zum Juristen und empfing 1959 in Köln die Priesterweihe. Er trat in den Dienst der päpstlichen Diplomaten und vertrat den Vatikan in verschiedenen Ländern der Erde, zuletzt in Westafrika.


Nach eigenem bekunden wollte er "die Freude der Kinder Gottes ausbreiten wie ein afrikanisches Buschfeuer". Er war "ein Mann der klaren Worte" und wurde als solcher von vielen Zeitgenossen sehr geschätzt. Selbst zahlreiche seiner Gegner achteten seine Meinung, doch kam es leider auch zu Handgreiflichkeiten gegen ihn.


In seine Amtszeit fiel die politische Wende 1989. Leider konnte er das getrennte Bistum Fulda nicht wieder zusammenführen. Stattdessen lebte, wie schon erwähnt, das unter Bonifatius gegründete Bistum Erfurt wieder auf; nur das Rhön-Dekanat Geisa blieb Fulda treu.

Im Jahr 1994 beging Fulda den 1250. Gründungstag der Abtei durch die Heiligen Bonifatius und Sturmius. Anlässlich des Bonifatiusfestes predigte Joseph Kardinal Ratzinger und überbrachte die Grüße und den Segen des Heiligen Vaters.


Kurz vor seinem überraschenden Tod am 23. Sept. 2000 hielt Erzbischof Dyba ausnahmsweise die Predigt des Bonifatiusfestes des Heiligen Jahres 2000 selbst, die im Nachhinein als sein geistliches Testament gilt.


Am 23. Sept. 2001 übernahm Heinz Josef Algermissen als 17. Bischof das Bistum. Auch er konnte schon mit Fulda ein besonderes Jubiläum feiern: Den 250. Gründungstag des Bistums im Jahr 2002. Seine Hauptaufgabe ist es, mit den sinkenden Zahlen von Gläubigen und Priestern umzugehen.


In Rom gelangte mit Joseph Kardinal Ratzinger am 19. April 2005 der achte Deutsche auf den Papstthron und nannte sich Benedikt XVI. Wie die Agonie seines Vorgängers, verfolgte die Welt seine Wahl gebannt an den Bildschirmen.


In Deutschland konnte man daraufhin für gut drei Jahre eine gewisse Zurückhaltung hinsichtlich der gewohnten Papstkritik beobachten, die dann 2009 jedoch nach einigen unpopulären Entscheidungen Benedikts umso heftiger wieder losbrach. Die Macher der öffentlichen Meinung verkennen, dass der Papst niemals die Meinung der Mehrheit oder seine Privatmeinung verkünden kann, sondern immer nur, was er als Willen Gottes erkannt hat. Fast fühlt man sich an den "Kulturkampf" unter Bismarck erinnert, mit dem Unterschied jedoch, dass heute viele Kritiker aus den Reihen der Kirche selbst kommen.


5. Die Pfarrei Batten seit der zweiten Hälfte des 20. Jhdts.

Diese Zeit dürfte vor allem für diejenigen interessant sein, die sie selbst noch miterlebt haben. Leider kann aus dem Leben der Gemeinde nur wenig berichtet werden, weil keine Pfarrchronik vorhanden ist. Lediglich die Renovierungsarbeiten an der Kirche lassen sich anhand der Bauunterlagen rekonstruieren. Doch dürften gerade diese im Hinblick auf die bevorstehende Außenrenovierung von Wert sein. Aus früheren Jahren schlummert noch reichlich Material im Archiv, dessen gründliche Sichtung aber Jahre in Anspruch nimmt.


Beginnen wir mit der Amtszeit von Pfr. Josef Filthaut, Pfarrer in Batten von 1933 bis 1958, gestorben am 3. 12. 1967 in Fulda. Er war schon seit 20 Jahren in der Gemeinde, als sich eine gründliche Renovierung der Kirche nicht mehr umgehen ließ.


Als erstes ließ er 1953 das Altar-Gemälde von Herrlein durch den Restaurator Hustinger auffrischen. 1955 wurden Gutachten eines Ingenieurs und eines Statikers eingeholt, um die Ursache der Risse zu klären, die sich im Mauerwerk im Bereich des Turms gebildet hatten.

Man schrieb sie einem Absinken des Untergrunds zu und empfahl, Zuganker anzubringen, was zusammen mit dem Auswechseln morschen Gebälks im Dachstuhl auf 100.000 DM veranschlagt wurde - für die damalige Zeit ein sehr hoher Betrag!


Nur schleppend kamen die Arbeiten in Gang. 1957 ersetzte man den Blasebalg der Orgel durch einen Gebläsemotor. Im gleichen Jahr wurden neue Krippenfiguren für 360 DM angeschafft.

Vor seiner Versetzung konnte Pfr. Filthaut noch die umfangreiche Renovierung auf den Weg bringen, die dann sein Nachfolger Pfr. Ferdinand Kribus weiterzuführen hatte; er war von 1958 bis 1967 Pfarrer in Batten, gest. am 3. 6. 1989 in Dietershausen. Die Hauptlast der Arbeiten fiel gleich in sein erstes Amtsjahr; das beginnende "Wirtschaftswunder" mit Vollbeschäftigung erleichterte die Finanzierung der Maßnahmen.


Als erstes wurde das Dach umgedeckt, die schadhaften Ziegel durch solche der Apsis ersetzt und diese dann neu eingedeckt. Jede 4. - 5. Ziegel versah man mit Sturmklammern.

Dann begann die Innenrenovierung. Decke, Voute (Rundung im Übergang von der Decke zur Wand) und Wände wurden teilweise mit Ziegeldraht bespannt und durch den Stukkateurmeister J. Brähler aus Fulda neu verputzt und gestrichen. Diesen Arbeiten fiel das Deckengemälde von 1882 zum Opfer; der Seiteneingang zum Pfarrhaus, auf den Pfr. Kribus keinen Wert legte, wurde vermauert.


Die alten Fenster besaßen eine Tönung, die das Licht verfälschte und so ließ man durch Robert Münch aus Groß-Umstadt die heutigen Fenster mit wabenförmiger Bleiverglasung einbauen.


Im Jahr darauf (1959) wurde das Eichenportal durch Schreinerei Jos. Fink u. Sohn, Seiferts, aufgebracht, der Aufgang zur Empore und die Kniebänke erneuert, so wie im Außenbereich eine Dränage gezogen und die Treppe repariert.


Mit einer neuen Fassung der Altäre durch den Kirchenmaler Schiffhauer, Petersberg, konnte diese erste große Renovierung der Raumschale seit über 50 Jahren abgeschlossen werden. Die Erneuerung des Fußbodens hatte man aus Kostengründen gestrichen. Im Pfarrhaus wurden neue Elektroleitungen verlegt und tapeziert.


Schon im nächsten Jahr (1960), im gleichen, als am 3. April durch Diözesanpräses Mönninger die Kolpingfamilie gegründet wurde, ging man an die Außenrenovierung. Nach dem Verputzen restaurierte A. Schiffhauer die Marienstatue und das Wappen der Fassade (beide in Sandstein). 1961 folgten die anderen beiden Außenfiguren (in Holz) durch Restaurator Willy Eckert, Bad Mergentheim.


Im gleichen Jahr schaffte die Gemeinde einen neuen Beichtstuhl und einen Tabernakel an, dessen Ausführung als Stahltresor Sicherheit garantierte. Er kostete 600 DM und das Anpassen der Holzornamente der Verkleidung noch einmal 400 DM.


1962 fielen erneut Dachdeckerarbeiten an; die letzten waren kaum vier Jahre her. Es wurde noch einmal umgedeckt und schadhafte Stellen beseitigt. Im gleichen Jahr bekamen die drei Glocken elektrische Läutemaschinen, dadurch entfiel das Läuten per Hand; die Beleuchtung wurde erneuert und Schreiner Zentgraf aus Thaiden baute einen Windfang. Als die Straße geteert wurde, hatte die Kirchengemeinde 2.400 DM beizusteuern.


Am Pfarrhaus beseitigte man das ca. 1900 angebaute Treppenhaus an der Südseite, weil es laut Pfr. Kribus den Blick auf die Kirche verdeckte und verlegte die Treppen ins Innere. Da bei diesen Arbeiten die Gemeindemitglieder kräftig zupacken, konnte im gleichen Jahr auch noch das Jugendheim ausgebaut werden, das im Jahr darauf (1963) auch eine Toilette erhielt.


Es war das Jahr, in dem die Kirche zum ersten Mal beheizt werden konnte, wenn auch recht unvollkommen, da die Luftschächte der Stabitherm-Heizung nur bis in den Altarraum und vor den zugemauerten Seiteneingang führten und obendrein zu knapp bemessen waren.

Obwohl die Finanzen der Gemeinde längst erschöpft waren, wollte Pfr. Kribus noch eine neue Orgel, die er 1966, kurz vor seiner Versetzung, durch Orgelbauer Erich Hey, Urspringen, als Schleifladenorgel einbauen ließ. Zunächst konnte nur das Hauptwerk mit sieben Registern zum Klingen gebracht werden. Das barocke Gehäuse stammte aus Neuenberg und wurde von Schiffhauer angepaßt. Die gebotene Sparsamkeit merkte man dem Instrument hinsichtlich der verwendeten Materialien und der Ausführung sehr stark an.


Die Nachfolge von Pfr. Kribus trat 1967 Pfr. Johannes Heim an, der bis 1977 Pfarrer in Batten war (gest. am 22. 5. 1994 in Fulda). Er versuchte 1970 die Mittel für den weiteren Ausbau der Orgel aufzutreiben, was ihm aber nicht gelang.


Aufgrund der Erfordernisse nach der Liturgiereform ließ er 1971 einen provisorischen Volksaltar und einen Ambo aus Eichenholz in den Chorraum stellen, die nebst einer Buchstütze 923 DM gekostet hatten.


Mit sehr hohem Verwaltungsaufwand, sprich Tippen auf seiner Schreibmaschine, leitete Pfr. Heim 1976 die umfangreiche Erneuerung von Turm und Dach ein. In einem ersten Bauabschnitt wurde der Turm mit Kupferblech beschlagen, was mit 105.000 DM zu Buche schlug. Mit der vorherigen Eindeckung in Schiefer hatte man durch herabfallende Teile schlechte Erfahrungen gemacht. Beinahe hätte es Pfr. Heim erreicht, dass durch die Bauaufsicht die Kirche wegen Unfallgefahr umzäunt und gesperrt worden wäre. 1977 folgte der zweite Bauabschnitt mit der Neueindeckung des Dachs in "roter Klosterpfanne", was noch einmal 92.000 DM an Kosten verursachte.


Im gleichen Jahr folgte Georg Exner als Pfarrer nach, der bis zu seinem Tod 1982 in Batten erfolgreich wirkte. Es gelang ihm, zu seinem 40. Priesterjubiläum am 24. Juni 1979 die vier Pedalregister der Orgel einbauen zu lassen und damit dem Instrument endlich ein Baßfundament zu geben. Im gleichen Jahr ließ er den Glockenstuhl und die Joche der Glocken erneuern.

1981 konnte man endlich daran gehen die Heizung zu verbessern, indem man die Warmluftschächte bis vor die Kommunionbank führte sowie einen separaten Abluft-Schacht bis in den hinteren Teil der Kirche. Der Kessel benötigte dazu eine höhere Leistung, was die Erweiterung des Heizraums und aller Schächte erforderte. Der neue Kessel wurde mit Gas befeuert und zu diesem Zweck ein Flüssiggastank zwischen Kirche und Wirtschaftgebäude aufgestellt. Bei diesem Ausbau konnte sehr viel Eigenleistung erbracht werden, was der Gemeinde über 10.000 DM ersparte.


Die Gasbefeuerung erwies sich jedoch als unwirtschaftlich, so dass sie unter dem nachfolgenden Pfarrer, Karl-Peter Klein, 1987 wieder auf Öl umgestellt wurde. Dazu mußte ein neuer Tankraum geschaffen werden, da der frühere Erdtank nicht mehr funktionsfähig war.

Pfr. Klein war 1983 bis 1994 Pfarrer in Batten. Der Höhepunkt seiner Amtszeit dürfte die Primiz von Klaus Nentwich am 11. Dez. 1988 gewesen sein.


Als 1994 der nachfolgende Pfarrer, der Schreiber dieser Zeilen, Pfr. Günter Wondrak, sein Amt antrat, waren rund 50 Jahre seit der letzten Renovierung vergangen und eine

erneute Instandsetzung des Innenraums unaufschiebbar. Die Warmluftheizung machte zwar den Aufenthalt in der Kirche angenehm, aber sie trug erheblich zur Verschmutzung der Wände und des gesamten Inventars bei, da die Staubteilchen, durch Erhitzen angesengt, mit der Kondensfeuchtigkeit eine Verbindung eingingen.


Nachdem Voruntersuchungen und Planung abgeschlossen waren, wurde 1995 sogleich mit der Holzwurmbekämpfung begonnen. Am Sonntag, dem 13. Okt. 1996, feierte die Gemeinde die letzte Heilige Messe für knapp neue Monate in der Kirche. Am Tag darauf traf sich um 17 Uhr ein Trupp kräftiger Männer im Gotteshaus und transportierte die Bänke in die Scheune von Franz Nentwich, um anschließend gleich noch einen Großteil der Fußbodenplatten heraus zu brechen und abzufahren.


In der Zeit der Renovierung feierten wir montags und donnerstags die Werktagsmesse im Pfarrhaus, sonntags verteilten sich die Gläubigen auf die umliegenden Kirchen. Den Saal im Obergeschoß des Pfarrhauses, der in der Gemeinde passender Weise als "Abendmahlssaal" bezeichnet wurde, hatten wir als Kapelle eingerichtet.


Die erste Maßnahme war der Einbau einer ganz neuen Heizung, die nach modernster Technik mit Warmwasser und Wärmestationen arbeitet, in denen die durch Ventilatoren umgewälzte Raumluft in Wärmetauschern langsam erwärmt wird. Die Steuerung sorgt für eine schonende Aufheizung von jeweils nur einem Grad pro Stunde.


Obgleich die Wärmestationen an den Stellen der bisherigen Auslaßgitter positioniert wurden, mußten doch aufgrund anderer Maße die alten Schächte nach nur 15 Jahren komplett entfernt werden, die damals "für die Ewigkeit" einbetoniert worden waren.


Bei den Arbeiten am Schacht vor dem Marienaltar stieß man auf Gebeine, die vermutlich zu den Überresten von Pfr. Joh. Mihm gehörten, der nach seinem Tod 1752 im Innern der Kirche beigesetzt worden war. Sie wurden sorgfältig gesammelt und anschließend zwischen den Stufen zum Marienaltar und der Außenwand wieder beigesetzt.


In einem weiteren Bauabschnitt 1997 wurde der Fußboden nach barockem Vorbild in Natursandstein neu verlegt, die Elektroinstallation erneuert, so wie Decken und Wände frisch gekalkt. In der Farbgebung orientierte man sich auch hierbei wieder an barockem Muster; die Lehmfarbe im Deckenspiegel symbolisiert die Erdverbundenheit des Volkes Gottes und das Türkis über dem Altarraum den Himmel, der sich bei der Feier der Eucharistie für die Gläubigen öffnet.

Am 14. Sept. 1997, dem Fest Kreuzerhöhung, an dem wir in diesem Jahr auch das Patrozinium von Mariä Geburt feierten, weihte Generalvikar A. Lang den neuen Zelebrationsaltar, der zusammen mit dem Ambo von Schreiner Stephan Fink, Seiferts, gefertigt und von Restaurator Kiel, Fulda, marmoriert worden war. Bereits am 27. Juli hatten wir die erste Sonntagsmesse in der erneuerten Kirche feiern können.


Aber die Renovierung war keinesfalls abgeschlossen. Vom 23. 3. bis 3. 11. 1998 mußten wir mit der Einrüstung der Altäre leben. Nur an der Zeitspanne und den Kosten von einer Viertelmillion kann man ermessen, wie aufwändig die Härtung aller vom Holzwurm geschädigten Figuren und Ornamente einschließlich des Ergänzens der bereits verlorenen gewesen ist. Die mit den Arbeiten betraute Fa. Hangleiter, Darmstadt, behandelte anschließend auf gleiche Weise auch Kanzel, Kommunionbank und Emporenbrüstung; das Altarbild von Herrlein wurde "doubliert", d.h. auf eine ganz neue Leinwand aufgezogen.


Zu guter Letzt erfolgte endlich, nach gut 30 Jahren, die Fertigstellung der Orgel durch Orgelbauer Hoffmann, Ostheim, die mit noch einmal 117.000 DM zu Buche schlug. Nachdem das Oberwerk mit seinen sechs Registern völlig neu eingebaut, das Pedal mit seinen vier Registern um drei Töne nach oben erweitert, das Gebläse verstärkt und eine neue Orgelbank angeschafft worden war, vermochte die Orgel endlich den gesamten Raum mit ihrem runden, ausgewogenen Klang zu erfüllen.


Davon konnte sich die Gemeinde beim ersten Orgelkonzert am 25. Okt. 1998 mit dem langjährigen Erfurter Domorganist Wilhelm Kümpel überzeugen, dem noch zahlreiche Konzerte mit unseren eigenen Organisten folgten. Sicher trug der überzeugende Klag des neuen Instruments dazu bei, dass sich auch wieder junge Leute an der Kirchenorgel ausbilden ließen.


Schließlich war 1999 mit dem Einbau der neuen Sakristei durch Schreinermeister Werner Happel das Werk vollendet, das insgesamt über eine Million verschlungen hatte (1.031.539,70 DM). Davon übernahmen die beiden damals noch baulastpflichtigen Gemeinden Ehrenberg und Hilders je 135.000 DM, das Landesdenkmalamt und das Bistum je rund 230.000 DM, so dass für die Kirchengemeinde noch runde 300.000 DM übrig blieben, wovon rund 43.000 DM durch 1727 Eigenleistungsstunden abgegolten werden konnten. Das war nur durch großzügige Spenden und finanzielle Unterstützung der Gemeindemitglieder zu schaffen.


Im Jahr 2004 wurde nach intensiven Verhandlungen des Bistums die Baulastpflicht der politischen Gemeinden für Kirchen und Pfarrhäuser abgelöst. Den recht namhaften Betrag wollte das Bistums anlegen und von den Erträgen weitere Baumaßnahmen finanzieren. Jedenfalls ist für den Unterhalt in Zukunft nur noch das Bistum und die Kirchengemeinde zuständig.


Ebenfalls 2004 ergriff Küster Werner Zentgraf die Initiative und baute das ehemalige Jugendheim in gut 200 Stunden zu einem Pfarrheim aus. Die Arbeiten, die Küster Zentgraf in seinen 40 Dienstjahren auf seine gewohnt unauffällige Art und Weise erledigte, lassen sich kaum erschöpfend aufzählen. Wir wünschen ihm und uns, dass es auch in Zukunft so bleiben wird.

2006 schufen einige kräftige Männer in der Scheune in Eigenleistung ein neues Heizöllager nach den neuen gesetzlichen Vorgaben. Es bleibt zu hoffen, dass der Schwung in der Gemeinde noch dazu ausreicht, wie vor 50 Jahren auch die Außenrenovierung folgen zu lassen, damit die Kirche durch ein anziehendes Äußeres viele Menschen zum Gotteslob einzuladen vermag.


An Aktivitäten der Gemeinde in diesen Jahren sei nur an die drei großen Wallfahrten erinnert, die wir im September 1999 mit dem einheimischen Busfahrer Rudi Spiegel nach Lourdes unternahmen, im Sommer 2008 ebenfalls nach Lourdes zum 150. Jubiläum der Erscheinungen als Familienwallfahrt in eigenen Autos und im Herbst des gleichen Jahres nach Rom, als Buswallfahrt, zum Jubiläumsjahr des heiligen Paulus, das der Papst ausgerufen hatte.


Nicht vergessen werden darf unsere Teilnahme am Weltjugendtag in Köln 2005 mit dem in diesem Jahr neu gewählten Papst Benedikt XVI. Unser Dekanat Hilders stellte, in Relation zur Größe gesehen, die stärkste Gruppe des gesamten Bistums. Die Verbindung mit der Österreichischen Loreto-Jugend, die beim Vorprogramm in unsrem Dekanat zu Gast war, besteht bis heute; jeweils an Pfingsten nimmt eine Gruppe aus unseren Gemeinden an deren Fest des Glaubens in Salzburg teil.


Zur Vorbereitung auf dieses Ereignis legte im Jahr 2004 das Weltjugendtagskreuz auf seiner Pilgerschaft durch Deutschland auch einen Weg durchs Ulstertal zurück. Wir empfingen es in Hilders, erklommen damit den Battenstein, wo die Eucharistie im Freien gefeiert wurde, und trugen es mit Gebet und Liedern weiter über Batten, Thaiden und Seiferts in einem am Ende kaum noch überschaubaren Zug bis hinauf nach Wüstensachsen, wo der Tag mit einer eindrucksvollen Nachtanbetung schloß.


6. Das Dekanat Hilders


Um die Geschichte der Gemeinde Batten und seine Stellung im Bistum Fulda abzurunden, sei noch einmal auf das Jahr 1871 zurück gegriffen, als Batten nach der Würzburger Zeit wieder fuldisch geworden war. Damals wurde gleichzeitig Hilders zum Sitz eines neuen Dekanates, zu dem fortan auch Batten gehörte. Erstmals gesellte sich Wüstensachsen dazu. Unter den ersten Dechanten des neu errichteten Dekanats waren die drei Battener Pfarrer Franz Hohmann (1885 - 1894), Konrad Helfrich (1895 - 1902) und Ignaz Schnaus (1903 - 1928). In späteren Jahren wurden auch die beiden Battener Pfarrer Josef Filthaut (1949 - 1958) und Günter Wondrak (2002 - 2007) Dechanten.


Im Jahr 2007 wurde das Dekanat Hilders aufgelöst und zusammen mit den Dekanaten Margretenhaun und Weyhers zu einem "Dekanat Rhön" vereint. Das Gebiet des ehemaligen Dekanates Hilders wurde gleichzeitig im Zug der Strukturreform durch Bischof Algermissen zum "Pastoralverbund St. Michael/Hohe Rhön", zu dessen erstem Moderator der Battener Pfarrer ernannt wurde.


Die Gräber der vier oben genannten Dechanten werden zusammen mit dem Grab von Pfr. J.G. Weber (1857 - 1862) bis heute auf dem Battener Friedhof von den Gemeindemitgliedern verehrt und liebevoll gepflegt.


Die meiste Zeit über hatte Batten auch einen Kaplan, der vor allem für die Filiale Seiferts zuständig war. Unter ihnen ragt Johann Leopold Höhl hervor (Kaplan von 1868 - 1871), der unter dem Namen "Rhön-Troubadour" bekannt wurde. Ihm zu Ehren befindet sich eine Gedenktafel an der alten Seifertser Kirche.


7. Die Battener Pfarrer im Überblick

1726 - 1729 Johann Martin Schmelz aus Apfelbach/Geismar

1729 - 1752 Johannes Mihm aus Kranlucken

1752 - 1758 Joh. Adam Riedling aus Fulda

1758 - 1764 Gottfried Faber aus Geisa

1764 - 1781 Joh. Philipp Ernst Diemar aus Ostheim

1781 - 1818 Wilhelm Zirkel aus Ulmbach

1818 - 1823 Vakanz

1823 - 1832 Odorikus Kobel aus Hammelburg

1832 - 1838 Josef Keller aus Volkach

1838 - 1845 Andreas Fischer aus Volkach

1846 - 1857 Karl Hohmann aus Nordheim

1857 - 1862 Johann Georg Weber aus Würzburg

1862 - 1894 Franz Hohmann aus Hilders

1895 - 1902 Konrad Helfrich aus Rüdighein

1903 - 1928 Ignaz Schnaus aus Kerbersdorf

1928 - 1929 Gereon Hünseler aus Duisburg

1929 - 1932 Heinrich Bergmann aus Großkrotzenburg

1932 - 1933 Ferdinand Spies aus Flieden

1933 - 1958 Josef Filthaut aus Ibbenbüren/Westfalen

1958 - 1967 Ferdinand Kribus aus Gregorsdorf (Olmütz)

1967 - 1977 Johannes Heim aus Fulda

1977 - 1982 Georg Exner aus Cosmin Krs. Czernowitz

1983 - 1994 Karl-Peter Klein aus Bernbach

1994 - 2009 Günter Wondrak aus Friedewald


Text: Pfr. G. Wondrak


Quellen:

Konrad Lübeck: Alte Ortschaften des Fuldaer Landes. 2. Band, Fulda 1936

Dominikus Heller: Aus den Pfarreien des Fürstbistums Fulda. 4.u.5. Heft. Fulda 1958

Erwin Sturm: Die Bau- und Kunstdenkmale des Fuldaer Landes. Fulda 1962

Notizen zur Geschichte der Seelsorgebezirke der Diözese Fulda. Als Manuskript gedruckt vom Bischöfl. Generalvikariat Fulda. (1972 ?)

Werner Kathrein/Dieter Wagner: Erbe und Sendung. Heft 1 - Das Bistum Fulda im 19. und 20 Jahrhundert (Strasbourg 1998), Heft 2 - Das Hochstift Fulda vom Mittelalter bis zum Barock (Strasbourg 1999), Heft 3 - Bonifatius und die Anfänge des Klosters Fulda (Strasbourg 2001)

Hans Eberhard Parzeller: Fulda-Lexikon, Sachbegriffe zum geistlichen Fürstentum Fulda (Petersberg 2002)

"250 Jahre Bistum Fulda" Dokumentationen zur Stadtgeschichte Nr. 22 (Fulda 2002)

Geschichte der Stadt Fulda, Band 2, Hrsg. Fuldaer Geschichtsverein (Fulda 2008)

St. Johannes der Täufer, Batten

St. Wendelinus, Thaiden

Gottesdienste v. 16.07. bis 31.08.2019

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    "Amoris Laetitia"

     

    "Laudato si"

     

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    Enzyklika "Spe Salvi", Benedikt XVI

     
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    Caritas in veritate, Benedikt XVI

     

    Lumen Fidei